Akropolis Adieu – Hello „Heim-Komm-Blues“

Text – Nicole Jaser //

Es fing schleichend an. Um ehrlich zu sein schon ein Bisschen am Samstag Abend, als sich herausstellte, dass meine Schwiegermutter die Termine nicht so ganz richtig verstanden hatte und zudem auch noch unser Kater kränkelte. Und mein Mann und ich ein paar tausend Kilometer entfernt vor der Akropolis saßen und mit zu Hause telefonierten.

adieu-akropolis-nicole-jaser-herundfraukrauss-blog

Sofort sprang bei mir das Hirn in den „Schlechtes-Gewissen-Modus“ – hab‘ ich ihr das irgendwie falsch durchgegeben? – und Organisationshormone wurden ausgeschüttet – ich muß mit dem Kater ganz schnell zum Tierarzt, wenn wir daheim sind. Beides hatte ich dann relativ gut wieder unter Kontrolle und abgehakt unter „kann ich gerade von hier aus eh nicht ändern“, bis mir die Lufthansa am Montag via sms mitteilte, dass unser Rückflug von Athen nach Frankfurt 90 Minuten Verspätung hat. Als ich mit entsprechend schlechter Laune am Flughafen saß und Stirnfalten zog, fragte mein Mann mich „na, haste schon Heim-Komm-Blues?“. 

Eigentlich hab mich da noch auf zu Hause und die Kids gefreut und der Blues war eher noch ein Blüschen, ehrlich. Der dicke fette Blues schlug mir dann erst um ca. 20 Uhr auf’s Gemüt. Spätestens da war der Moment erreicht, wo ich am liebsten einfach wieder gegangen wäre und meine Familie mit den Worten bedachte „kann man nicht mal 3 Tage wegfahren, ohne dass danach das totale Chaos herrscht?“. Und zu allem Überfluss hatte mein Mann auch noch Geburtstag. Der zumindest für mich dann im Eimer war.

Und da war sie wieder, die Frage: Warum zum Teufel wird man immer so brutal in die Realität zurückkatapultiert? Gerade hatte man es noch so nett und schwupps ist das wie weggeblasen! Kann das nicht ein klitzekleines Bisschen sanfter passieren? 

Der Hintergrund: Mein Mann und ich versuchen immer, uns zum Geburtstag etwas Besonderes und gemeinsame Zeit zu schenken. So hatten wir schon viele wunderbare Wochenenden, die wir sehr genießen. Das geht natürlich nicht ohne eine gewisse Planung, die natürlich maßgeblich das Einhüten von Kindern und Katzen beinhaltet. In seinem Fall hat sich das ein wenig so eingebürgert, dass meine Schwiegermutter das übernimmt, quasi als Geburtstagsgeschenk an ihren Sohn. 

Oma reist mittlerweile gerne mit dem Flixbus an, was ich sehr cool finde. Dummerweise ist sie dieses Mal davon ausgegangen, dass wir Sonntag abend schon nach Hause kommen. Sie hat aber scheinbar die Tatsache, dass wir Sonntag auf einem Konzert sind, ignoriert und wurde auch nicht stutzig, als ich mit ihr den Zeitplan der Kinder am Donnerstag durchgegangen bin. Obwohl ich ja grundsätzlich zuerst an meinem eigenen Unvermögen zweifle, mir aber hier keiner Schuld bewusst war, hatte ich natürlich gleich ein schlechtes Gewissen. 

Irgendwie ging es dann auch nicht, dass sie bis Dienstag bleibt – Senioren sind ja erfahrungsgemäß total ausgebucht – und aufgrund unserer Flugverspätung und dem gebuchten Flixbus für 19:30 Uhr, lief das nach Hause kommen dann so ab: Wir sind wie die Wilden durch den Flughafen gehetzt, so schnell es irgendwie ging nach Hause gerast, ich und Gepäck raus, schnelles Turbo-Update, Oma plus Lebensgefährte plus Gepäck ins Auto rein und ab an den Bahnhof. Bus erreicht. Check!

Keine Ahnung warum, aber ab hier schlug der Blues dann voll zu und alles, einfach alles hat mich nur noch angenervt: Das immer noch vollgemüllte, unaufgeräumte Zimmer von Tochterkind 2, die nicht gepackte Sporttasche für den Wettkampf am nächsten Tag von Tochterkind 1, der kranke Kater, der irgendwo draußen unterwegs war und ich vor Sorge, dass er es nicht nach Hause schafft, schier durchgedreht bin und auf dem Sprung saß bis 22 Uhr, weil der Tierarzt bis dahin Notdienst hat. Zudem mein beginnender Schnupfen und die Erkältung von Tochterkind 2. Und der ganze blöde Abend, den ich mir ganz anders vorgestellt hatte und der eigentlich ein netter Geburtstagsabend werden sollte. Herzlichen Glückwunsch! 

Um 21:30 Uhr waren die Mädels im Bett, mein Mann und ich saßen bei gebratenen Maultaschen und Kartoffelsalat (danke Oma!) an der Theke in der Küche. „Willkommen zu Hause“, sagten wir etwas kaputt zueinander. In zwei Wochen versuchen wir es nochmal mit weniger Blues. Da habe ich dann Geburtstag. 

Epilog: 

  • Unser Wochenende in Athen war toll! Sonne, Kultur, leckeres Essen, unglaublich nette Menschen. Uneingeschränkt zu empfehlen. Wer Tipps braucht: Gerne bei mir melden: . 
  • Bevor eine falsche Meinung aufkommt: Meine Schwiegermutter und ich, wir mögen uns sehr. Wirklich! Und ich finde es klasse, dass wir ihr hin und wieder die Kinder abgeben dürfen und sie uns so Zeit zu zweit ermöglicht. Danke Oma! 
  • Der Kater ist am Dienstag morgen zum Glück aufgetaucht. Er weilt aktuell beim Tierarzt und es geht ihm schon besser.
  • Tochterkind 2 und ich sind fast wieder ganz gesund.
  • Ich vermisse die Sonne….

Liebe Grüße, Nicole

Text & Fotos: Nicole Jaser


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.