Ein Blick // in meinen Alltag, 11. Januar 21

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Gestern war der letzte Tag der Weihnachstferien für unserer Töchter. “Ich möchten kein Homeschooling, ich möchte wieder in die Schule gehen” fleht die Jüngere seit ein paar Tagen. Wir haben unser Zuhause wieder in vier Internet-taugliche Arbeitsplätze verwandelt und die Kinder haben ihre Schulsachen sortiert. Mein Mann feiert bald sein 1-jähriges Homeoffice, die Region in der seine Firma in den Niederlanden sitzt, hatte bereits Anfang März 2020 den Lockdown ausgerufen. Seither war er nur zweimal kurz dort. Der Zustand ist nicht perfekt, ihm fehlen die Kollegen und die direkten Gespräche, aber er kann gut und produktiv arbeiten. An vielen Tagen ist er zwar physisch im Haus, aber keiner von uns sieht ihn, da er von einer Viodekonferenz in die nächste schaltet. Darum habe ich am Wochenende wieder gearbeitet um mir heute frei zu nehmen und die Kinder beim Homeschooling zu begleiten. Für unsere große Tochter ist das inzwischen Routine, sie organisiert sich erst einmal selber sehr gut, benötigt dann nur in der Nachbearbeitung immer mal wieder fachliche Unterstützungen von uns. Noch können wir ihr die in der 7. Klasse ohne Probleme geben. Sie hofft, dass es mehr direkte Ansprache durch die Lehrer in Form von Onlineunterricht und Klassenchats gibt als beim ersten Lockdown. Für unsere kleine Tochter ist alle neu, sie ist seit September in der 5. Klasse eines Gymnasiums. Ihr wurde zwar in Medienbildung der Umgang mit der für sie neuen Lernplattform “Moodle” erklärt, in der Praxis hat sie aber noch keine Erfahrung damit. Wir haben uns gestern zusammen eingeloggt, die ersten Nachrichten und Wochenaufgaben von Lehrern stand schon drin. Alles sehr lieb geschrieben und doch war die erste Reaktion meiner Tochter eine gewisse Hilflosigkeit. Mir wurde auch kurz schlecht bei dem Berg an Informationen für jedes einzelne Fach, ich spürte eine leichte Überforderung. Vor allem die Kinder bei Laune und am Ball zu halten bei diesem Lernpensum in “Isolation” empfinde ich als anstrengend. Gott sei Dank konnte uns das große Fräulein Krauss die neuen Features der Lernplattform erklären, seit dem ersten Lockdown wurde hier noch einiges verbessert, die Schule hat gut vorgearbeitet.

Wir haben am Sonntag den letzten Ferientag im Rahmen der Möglichkeiten zelebriert: Frühstück am Wohnzimmertisch vor dem flackernden Feuer im Ofen mit einer Lieblings-Serie der Kinder. Nachmittags haben wir bei einem kleinen Spaziergang die Wintersonne genossen, uns Kuchen in einer Bäckerei für den Nachmittagskaffee geholt und eine Runde “Mensch ärgere dich nicht” gespielt. Für Kinder ging es an diesem Abend wieder früher zu Bett, denn der Unterricht ist heute nach Stundenplan um 7.50 Uhr gestartet.

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Doch erst einmal startete nichts, wir sehen auf dem Bildschirm nur die Nachricht des überlasteten Servers. Irgendwann sind dann doch beide Kinder im Online-Schulportal drin. Bei der Großen findet die erste Stunde, Kunst, nun doch nicht online statt erfährt sie um 7.50 Uhr, sie beschäftigt sich solange mit den Arbeitsaufgaben für Musik: einem Hörspiel über Bach und dazu einem Blatt mit Fragen. Ab 8.30 Uhr langweilt sie sich, streift durch das Haus und macht Handstände gegen die Wand. Zur dritten Stunde gibt es den ersten Online-Unterricht. Die Kleine hat es nach den Startschwierigkeiten schließlich in die virtuelle Klassenstunde geschafft, nur die Lehrerin fehlt. Jede Menge müde Kinder schauen sich stumm über den Bildschirm an, manche gähnen. Für die 5. Klässler ist das alles neu, niemand traut sich etwas zu sagen. Nach 20 Minuten erscheint endlich die Lehrerin mit Bild und Ton, sie hat selber solange gebraucht um in das Schulportal reinzukommen. Die ersten Hürden sind geschafft, ich setze mich an meinen Rechner, arbeite in meinem Onlineshop. So richtig konzentrieren kann ich mich aber nicht, bin immer auf dem Sprung um zu helfen. Im Hintergrund höre ich leise die Gespräche aus den Schulstunden, immer bereit zu unterstützen falls technische Probleme oder Fragen auftauchen. Meinen Mann höre ich leise aus einem anderen Zimmer englisch sprechen. Wie lange das jetzt wohl wieder unser Alltag wird? Ich befürchte fast, dass wir über den 31. Januar hinaus so leben werden.

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Zum Mittagessen gibt es eine Gemüsesuppe , die ich gestern schon vorbereitet habe. Im Frühjahr, während der ersten Homeschooling-Phase, haben mich die Mahlzeiten wirklich gestresst. Schon ab 11.30 Uhr haben die Kinder gefragt was es zum Mittagessen gibt. Meist waren sie dann schon fertig mit allen Aufgaben des Tages. In einem Alltag ohne Pandemie hätten wir montags um 14 Uhr zusammen zu Mittag gegessen, an manchen Tagen hätten die Kinder in der Schule gegessen. Damals wurden zum Großteil einfach nur Wochenpläne zum Abarbeiten per Mail verschickt, ohne einen direkten und wiederkehrenden Kontakt zu den Lehrern. Somit waren die Mahlzeiten ein Höhepunkt für die Kinder im eintönigen Tagesablauf, wer will es ihnen verdenken. Und in fast allen Familien war es gleich: Die Kinder haben auf die Bekanntgabe des “Tagesmenüs” gefiebert wie Pauschal-Touristen auf das All-Inclusive-Büffett. “Wie, abends schon wieder nur eine Brotzeit?” Die Eltern waren gestresst von den Erwartungen des Nachwuchses und den Mengen an Essen, die die Kinder verschlungen haben. Im Nebenjob haben wir Eltern ja meist auch noch einen Beruf zu erfüllen. Nicht wenige haben sich in den letzten Monaten eine Küchenmaschine zugelegt, die nahezu selber kochen kann. Wir haben (noch) kein solches Gerät, dafür können die Kinder sich mit kleinen Gerichten auch mal selber verpflegen, Müsli und Bananen gehen sowieso immer. Morgen wird es bei uns übrigens angebratene Schnupfnudeln mit frisch geriebenem Gruyère-Käse und Apfelmus geben. In Anlehnung an die Schweizer Älplermagronen, die ich gerne im Sonnenschein vor einer verschneiten Hüte in den Bergen genießen würde.

Und sonst so? Gestern habe ich zum ersten Mal meinem Mann mit einem Langhaarschneider die Haare gekürzt. Hat gut geklappt für den ersten Versuch, bei Tageslicht mit Sonne betrachtet muss ich heute nur noch mal am Übergang von kurz auf lang nacharbeiten. Dann kann ich das nächste Mal schon Geld für einen neuen Haircut à la Frau Krauss verlangen. Die Kunden sind im Lockdown ja auch nicht so anspruchsvoll. Meine Kinder wünschen sich nun je einmal Spitzenschneiden von mir. Noch fehlt mir die passende Schere!

♥-liche Grüße, Frau Krauss 


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