Ein Blick // In meinen Alltag, 27. Januar 21

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Es ist kurz vor 9 Uhr am Morgen. Ich sitze mit einer Tasse Kaffe vor meinem aufgeklappten Laptop an unserem kleinen Arbeitsplatz im Schlafzimmer. Aus dem Kinderzimmer dringt laute Musik nach draußen, es bollert, es wird geklatscht. Sport steht gerade auf dem Stundenplan, das kleine Fräulein Krauss übt einen Tanz ein. Sie steht hinter ihrem Schreibtisch, auf dem Bildschirm läuft ein selbst gedrehtes Video ihrer Sportlehrerin. Diese tanzt bei sich zu Hause, vielleicht in ihrem Flur, vielleicht in ihrem Arbeitszimmer. Zum Schluss ruft sie “tschüss” und winkt strahlend in die Kamera, ihr Gesicht ganz nah am Bildschirm, sie hat danach den Stopp-Button ihrer Handyaufnahme gedrückt. In der Küche macht das große Fräulein währenddessen einen Versuch mit einem Teelicht, einem Wasserglas und einer aufgeklappten CD-Hülle für das Fach Physik. Heute ist Tag 13 im Homeschooling 2021. 2,5 Schulwochen sind geschafft, noch einmal die gleiche Anzahl und die Faschingsferien beginnen in Baden-Würrtemberg. Am Montag kam eine Email von der Schulleitung: bis zu den Faschingsferien wird es keinen Präsenzunterricht geben. Das bedeutet frühestens am 22. Februar werden die Kinder irgendwie zurück in die Schule kommen. Dieser Monat liegt wie ein Berg vor uns, denn schon jetzt kommen wir morgens immer schwerer in die Gänge bzw. aus den Betten. “Ich habe keine Lust mehr auf Homeschooling” jammert das kleine Fräulein Krauss seit Tagen. “Wir wollen endlich Ferien haben!”, hier sind sich unsere Töchter einig. Doch was machen wir dann in den Ferien? Nichts. Oder doch: kochen, backen, Spiele spielen, an die frische Luft gehen, Filme schauen. Mit Homeschooling ist das Leben zu Hause doch etwas abwechslungsreicher. Die Lehrer bemühen sich sehr, eine große Verbesserung der Systeme und Lernangebote im Vergleich zum ersten Lockdown ist gegeben. Unsere Kinder arbeiten sehr gut mit, bemühen sich und haben dennoch nicht wirklich Freude dabei. Zu schnell fallen sie wieder in das Loch der Langeweile.

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Neue Jobmöglichkeiten im Lockdown!

Und wir Eltern? Wir werden immer kraftloser. Versuchen irgendwie unsere Arbeit zu machen, die Kinder bei Laune zu halten, darauf zu bestehen, dass die Vokabeln in Englisch und Französisch auch wirklich sitzen. Wir sind Eltern, Feel-Good-Manager, Aushilfslehrer, Köche, Putzpersonal, Freunde und Antreiber in Personalunion. Erwischen uns dabei, dass wir immer mal wieder betonen, dass die Kinder dran bleiben müssen, um bei der Rückkehr in den Schulalltag nicht plötzlich ein Defizit zu haben. Wir sind alle genervt von der Perspektivlosigkeit. Wenn man wenigsten wüsste wann die Vokabeln mal wieder “so richtig” benötigt werden würden. Auch Scheren zum Haareschneiden gibt es nicht! Die sind seit Tagen in den Drogeriemärkten ausverkauft, sowohl online als auch offline in den Filialen. Keine Perspektive wann sie wieder verfügbar sind. So werden die Haare meines Mannes auch weiterhin nur mit dem Langhaarschneider von mir bearbeitet. Ich werde immer besser als Corona-Friseuse, bin zufrieden mit meinem Ergebnis: seitlich kurz oben lang. Aber cool ist anders meinen die Kinder. “Zweckdienlich” wäre das bessere Wort. Herr Krauss nennt es “Videokonferenz-tauglich”. Ich sage dazu “sauber und aufgeräumt”. Aber da es ja heißt, dass erst die Schulen und Kitas wieder geöffnet werden bevor die Friseure aufmachen dürfen, muss mein Mann mit meinen Stylisten-Fähigkeiten vorlieb nehmen. Man wächst mit seinen Aufgaben. Was könnte ich noch so alles im Lockdown werden?

Auf Instagram mehren sich die Bilder der Snack-Teller mit Obst- und Gemüsestückchen und kleinen mundgerechten Leckereien, die den Schulkindern auf die Schreibtische gestellt werden. Unsere Kinder müssen sich das Müsli noch selber holen denn wir haben (Gott sei dank) immer noch sehr viel Arbeit, die täglich bewältigt werden muss. Am Esstisch, auf dem Sofa, im Arbeitszimmer, bei mir auch zeitweise außer Haus im Büro. Und as morgens, mittags, abends, am Wochenende. Irgendjemand arbeitet immer. Ich ertappe mich dabei, dass ich mir immer öfter wünsche auch mal Zeit zu haben. Die hatte ich seit letzten März eigentlich nicht mehr. Ich weiß, ich darf diesen Wunsch ans Universum auf keinen Fall laut formulieren. Aber zwischen nichts tuen und Hamsterrad muss es doch noch irgendwas anderes geben. Ich habe als Perspektive für mich die Faschingsferien der Kinder eingeplant. Dann möchte ich (fast) nichts arbeiten, mal durchschaufen und Snack-Teller mit Obst richten. Auch wenn dann kein Homeschooling ist. Aus dem Kinderzimmer ertönen jetzt Trompeten, gefolgt von den Klängen eines Orchesters. Musik steht auf dem Stundenplan. Ich kehre jetzt gleich zurück zur Arbeit in meinem Onlineshop. Die Nachfrage ist gestiegen und dafür bin ich sehr dankbar. Später mache ich Pfannkuchen zum Mittagessen und koche eine Süßkartoffel-Karotten-Supper für das Abendessen vor. Wir sind gerade gelangweilt von Käsebroten. Morgen gibt es Chili sin Carne. Wir lechzen nach neuen Geschmäckern, unsere Freunde schicken immer wieder Rezepte per WhatsApp herum. Draußen schneit es jetzt, dicke Flocken fallen vom Himmel. Wenigstens haben wir etwas “Winter-Feeling”. Ich vermisse die Winter in Bayern, die weiße Pracht und die Möglichkeit nachmittags mit den Kinder zu rodeln. Immerhin konnten wir in diesem Jahr schon ein paar Mal die Schlitten aus dem Keller holen.

Ich versuche täglich etwas “Self-Care” zu betreiben.

Gestern habe ich mir einen Bund Tulpen im Supermarkt gekauft. Meiner Freundin, mit der ich am späten Nachmittag noch einen kleinen Spaziergang gemacht habe, habe ich auch Tulpen mitgebracht. Etwas zum Freuen für die Augen! Letzte Woche habe ich uns leckere Törtchen in meiner Lieblings-Patisserie geholt. Einfach so an einem Dienstag. Weil Lockdown ist und weil wir darum noch besser zu uns selbst sein müssen. Ich mache wieder regelmäßig Sport auf der Matte (mehr zu “Sport ohne Geräte” hier), schreibe (fast) täglich drei Punkte in mein Achtsamkeitstagebuch (mehr darüber hier) und habe mir selber am Wochenende im Winter Schlussverkauf ein Kleid für Weihnachten & Sylvester 2021 geschenkt. Ich habe das Gefühl, ich muss jetzt besser auf Eventualitäten vorbereitet sein. Lockdown mit Still und Würde! Auch wenn ich das für den Dezember 2021 nicht hoffen will. Falls du dir auch ein Kleid schenken möchtest, in meinem Onlineshop gibt es im Winter SALE noch ein paar schöne Teile, schau mal hier* vorbei.

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Die Flocken draußen werden immer dichter und dicker. Eine weißer Puderzuckerschicht hat sich schon über die Straßen, Gärten und Autos gelegt. Wunderschön! Vielleicht können wir heute nach Schulschluss doch mit den Schlitten zum Rodelhügel laufen. Arbeiten kann ich auch wieder heute Abend. Für diese Flexibilität bin ich sehr dankbar. Herr Krauss spricht mit seinen Kollegen in Holland, die von den Aufständen, Zerstörungen und Plünderungen überall im Land erzählen weil sich Menschen nicht mit der Ausgangssperre auf Grund der hohen Corona-Zahlen abfinden können. Auch ein paar schöne, liebevoll geführte Geschäfte, die wir in Den Bosch schon besucht haben, sind von der Zerstörungswut betroffen. Das tut mir so Leid, denn die Ladenbesitzer können ja nichts für diese Situation. In Baden-Würrtemberg haben wir seit Mitte Dezember Ausgangssperren von 20 Uhr abends bis 5 Uhr morgens. Ich hatte nicht das Gefühl deswegen meine Wut irgendwo auslassen zu müssen. Ganz im Gegenteil, ich freue mich auf die immer heller werdenden Flecken auf der Deutschlandkarte, die zeigen, dass die Fallzahlen langsam nach unten gehen und hoffe auf bessere Zeiten. Jetzt mache ich mir aber erst mal einen Kaffee, den dritten an diesem Vormittag. Denn müde macht mich dieser Lockdown schon.

♥-liche Grüße, Frau Krauss 

Text: Ann-Cathrin Krauß | Fotos: Thorsten Krauß

*(Die Verlinkungen oben sind zum Winter SALE in meinem Onlineshop und zu älteren Blog-Beiträgen.)


2 thoughts on “Ein Blick // In meinen Alltag, 27. Januar 21

  1. Sabine

    Wie schön zu lesen, dass es überall ähnlich abläuft :). Und vielen Dank für den Hinweis mit den ausverkauften Scheren – so habe ich mir den Weg zum Drogeriemarkt gesparrt 😉

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    1. Ann-Cathrin Krauß Post author

      Liebe Sabine, sehr gerne! Ich hoffe es geht euch gut! Herzliche Grüße, Ann-Cathrin

      Reply

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