Zurück aus unserem sehr minimalistischen Leben

Da sind wir wieder, von einem sehr minimalistischen Leben zurück zu ganz viel Fülle. Mit Fülle meine ich mehr Lebensqualität durch die eigenen Sachen und mehr Raum um uns herum. Wir haben knapp 12 Monate ein unfreiwillig extrem minimalistisches Leben geführt. Unfreiwillig, weil wir dachten, nach 4-5 Monaten ziehen wir in unser Haus ein und haben unsere eigenen Sachen wieder. Es kam leider ganz anders als wir uns das vorgestellt hatten. Aber wie das mit den Plänen so ist, meist kommt es anders. Minimalistisch war unser Leben, weil wir zu viert in einer kleinen Wohnung mit einem Zimmer und einer Wohnküche gelebt haben, die mit dem Nötigsten an Möbeln ausgestattet war. Einem Bett für uns Eltern, einem runden Esstisch, vier Stühlen, einem Einbauschrank und einer Küche. Von unseren eigenen Möbeln durften das Stockbett der Fräulein Krauss, ein Schreibtisch mit den Stokke-Stühlen und zwei kleine Regale mit einbeziehen. Ein alter Sessel meiner Eltern diente uns fast ein Jahr als Sofa-Ersatz. Für mehr war kein Platz.

Und genau darum stand ich vergangene Woche bei fast 40 Grad Außentemperatur in unserer neuen Küche und habe ein Brot gebacken! Ich war einfach so glücklich über all die Fülle um mich herum: endlich hatte ich wieder unsere Backformen, die Küchenmaschine und vor allem ganz viel Platz um mich herum zum Austoben in der Küche!

brot-selber-backen-herrundfraukrauss-blog

Minimalismus ist ein spannendes Thema, das sich richtig gut anfühlen kann. Durch Verzicht kann man mehr entspannen, man braucht ja nichts, muss sich nicht aufmachen eine Entscheidung zu treffen. Die Wahlmöglichkeiten sind sehr begrenzt, meist gibt es keine Wahl weil man alles nur einmal zur Verfügung hat. Oder keinmal. Wenn dann auch noch der zur Verfügung stehende Platz sehr begrenzt ist, wählt man Neuanschaffungen mit viel Bedacht, überlegt eher, wo oder von wem man sich das Benötigte ausleihen kann.

Von Oktober bis zu den kühlen Apriltagen habe ich den immer gleichen dunkelblauen, kurzen Wollmantel getragen. Er hat mir treue Dienste geleistet und sich jetzt ein schönes Woll-Treatment in der Reinigung verdient. Als es wärmer wurde, habe ich mir mit einer langen Strickjacke ausgeholfen, immer in der Hoffnung, dass bald unser Container mit den Umzugskisten kommt und darin drei schöne Übergangsjacken und ein Trenchcoat auf mich warten. Ich war zu (er)geizig um für die letzten Wochen, die immer wärmer wurden, noch eine Jacke oder einen leichten Mantel zu kaufen, auch wenn es ein günstiges Schnäppchen bei einer der großen Modeketten gewesen wäre. Minimalismus ist eine spannende Herausforderung!

Wir arbeiten uns gerade langsam und mit großer Sorgfalt durch die Umzugskisten. Wir hatten schon beim Einpacken mit viel Bedacht ausgewählt und eingepackt, da wir den monatlichen Lagerplatz unseres Eigentums nach Kubikmetern bezahlen mussten. Auch jetzt sortieren wir noch weiter fleißig aus, spenden, verschenken oder sammeln Sachen für einen Verkauf auf dem Flohmarkt. Darauf freuen sich die Fräulein Krauss schon sehr! Der Minimalismus der letzten Monate ist nicht spurlos an uns vorbei gegangen und wir möchten uns nur noch mit den Dingen umgeben, die wir wirklich, wirklich gebrauchen oder die eine Bedeutung für uns haben.

Auch unser eigenes Verhalten in Sachen “Schenken” hat sich geändert: wir verschenken jetzt sehr gerne Sachen zum Verbrauchen: Olivenöl, Wein, Tee, Schokolade, Seife, Kinokarten, eine Einladung zum Essengehen, … Alles Dinge, die Freude machen, aber die vier Wände des Beschenkten nicht füllen.

brot-backen-ist-entspannung-herrundfraukrauss-blog

“Denn die wunderschönsten Dinge auf der großen weiten Welt, sind für jedermann bezahlbar, denn sie kosten gar kein Geld. Denn die wunderschönsten Dinge, die uns zum Glück noch berühren, sind so kostbar wie das Leben selbst, man darf sie nie aus den Augen verlieren.” Diese Zeilen singt Gregor Meyle in seinem Song “Die wunderschönsten Dinge” und sie passen so wunderbar auf unser minimalistisches Abenteuer. Die Möglichkeit des persönlichen Rückzugortes ist z.B. ein riesengroßer Luxus, den wir erst jetzt so richtig zu schätzen wissen. Wenn heute einer von uns mal seine Ruhe haben möchte, geht er in (s)ein Zimmer und schließt die Tür! Luxus ist auch der Duft eines frischen, selbst gebackenen Brotes, dazu etwas Butter und Salz, mehr braucht es nicht!

♥-liche Grüße, Frau Krauss

Text & Fotos: Ann-Cathrin Krauß


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.