Kinder & Smartphones // meine Gedanken

“Mama, nicht noch eine Story!” schrie kürzlich die kleine Tochter einer erfolgreichen Bloggerin wütend als die Mutter eine Instagram-Story nach der anderen machte, während sie mit ihren Kindern draußen unterwegs war. Die Mutter fand die Reaktion ihrer Tochter zum Schmunzeln, mir hat das Kind Leid getan

Ich bin sehr gerne auf Instagram unterwegs, auch mehrmals täglich und schaue mir Bilder und Instagram-Stories an. Mir fällt auf, dass gerade Mütter mit kleinen Kindern bei Instagram eine willkommene Abwechslung in ihrem Mama-Alltag finden und darum ständig online sind und Stories posten: sämtliche Mahlzeiten, den Gang zur Kita, das Warten beim Kinderarzt genau so wie den Besuch in der Eisdiele. “Zusammen ist man weniger alleine”, dieser Satz stimmt voll und ganz. Und wenn ich an meine Elternzeit mit zwei Kleinkindern zurück denke, dann hätte ich mir auch den ein oder anderen Kontakt zur Außenwelt gewünscht. Diese gähnende Langeweile der immer gleichen geregelten Abläufe und Rituale hat mich zeitweiße richtig müde gemacht. Da können ein paar aufmunternde Kommentare und Likes von Gleichgesinnten richtig gut tun. Nur gab es damals kein Instagram, kein Pinterest und Blogs steckten noch in den Kinderschuhen.

Wie empfinden Kinder die Dauerpräsenz ihrer Eltern an den Smartphones und wie gehen sie damit um wenn sie selber mal eines besitzen? Wie empfinden es diese Eltern in ein paar Jahren wenn ihre Kinder permanent am Handy kleben? Hat man seinen Kindern die Omnipräsenz des Smartphones im Familienalltag in jungen Jahren vorgelebt, kann man ihnen diese später schlecht verwehren.

Ich sehe die Dauerpräsenz am Smartphone und in den Sozialen Netzwerken (immer zur Hand dank der angesagten Handyketten) momentan aus dem Blickwinkel einer Mutter, deren Kinder schon etwas älter sind und sehr genau wissen was wir Erwachsenen da machen. Meine Töchter sind 8 und 10 Jahre alt. Zu Beginn der 5. Klasse hat das große Fräulein Krauss ihr erstes eigenes Smartphone bekommen. Weil sie jetzt einen langen Schulweg mit öffentlichen Verkehrsmitteln alleine zurück legt. Und weil wir das Gefühl hatten, sie ist reif genug damit verantwortungsvoll umzugehen. Ein älteres Smartphone lag noch bei uns in der Schublade. Wir haben meinen Handy-Vertrag in einen Familienvertrag umgewandelt, das funktioniert super. So kann ich zum Beispiel sehen wieviel sie im Internet unterwegs ist. Das brauche ich aber nicht zu kontrollieren, unsere Tochter nutzt das Internet mit dem Smartphone kaum, sie sitzt lieber am Familien-Tablet oder Computer. Ich kann ihr auch zusätzliche SMS-Pakete ganz einfach per Klick dazu buchen wenn sie Bedarf hat, denn sie besitzt keinen Whats App Account. Ich bin immer wieder überrascht wie sorglos Eltern Whats App auf den Smartphones ihrer Kinder einrichten. Für den Besitz von Smartphones gibt es kein Mindestalter, für einen Whats App Account schon und das ist 16 Jahre. Mich persönlich stressen Whats App-Chat-Gruppen schon ungemein, am liebsten hätte ich keine. Wie geht es da erst unseren Kindern? Immer wieder höre ich Geschichten von Mobbing in Whats App-Klassen-Chats, von nicht jugendfreien Bildern, die dort herum geschickt werden, von Kindern, die nachts noch in den Chats schreiben anstatt zu schlafen. Ein Klick und die App ist runter vom Smartphone liebe Eltern und Kinder können wieder Kinder sein! Hausaufgaben können mit der Freundin über SMS oder Face Time (auf dem iPhone) abgestimmt werden, die Verabredungen zum Spielen am Nachmittag oder zum Outfit am nächsten Morgen ebenfalls. Und das gute alte Festnetz gibt es ja auch noch, bei uns zumindest. Für unser Fräulein Krauss ist das völlig ok.

Wir versuchen gute Vorbilder zu seine und die Handy-Nutzung zu Hause bei Anwesenheit der Kinder einzuschränken. Wenn es nicht anders geht, zum Beispiel wenn ich abends noch Kundenanfragen zu meinem Onlineshop über Instagram Direct beantworten muss, erkläre ich den Kindern, dass das ein Teil meiner Arbeit ist. Während dem Essen sind die Smartphones bei uns nicht am Tisch und abends schon gar nicht in den Schlafzimmern. Wir wollen unsere Kinder nicht fern halten von Kommunikation und Technik, wir wollen ihnen einfach nur zeigen, dass die kleinen Geräte nicht rund um die Uhr unser Leben dominieren und es sehr schön ist den Blick in die reale Welt schweifen zu lassen und hier zu sein. Natürlich hat unser Fräulein Krauss auch Spiele auf ihrem Handy und ein paar Apps, zum Beispiel einen Vokabeltrainer. Das ist sehr praktisch um unterwegs ein paar Vokabeln zu wiederholen. Die Apps laden wir gemeinsam runter und besprechen bei Spielen den Zeitrahmen. In der 5. Klasse vom großen Fräulein Krauss gibt es auch Kinder, die noch kein Handy haben und gut damit klar kommen. Jede Familie muss da einfach ihre eigene Balance finden und eine Entscheidung treffen.

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Als wir vor ein paar Tagen eine Aufführung von jungen Balletttänzerinnen und Pianisten angeschaut haben, diskutierten in der Reihe hinter uns Eltern mit ihrem Sohn über seinen Handy-Konsum. Von rechts und links redeten Mutter und Vater auf den Jungen ein. Sie würden ihm alle Spiele löschen sagten die Eltern, drohten sogar damit das Smartphone ganz zu konfiszieren, wenn der Filius seinen Konsum nicht drastisch einschränken würde. Der Junge saß wie bedröppelt zwischen den schimpfenden Eltern. Er sagte immer wieder: “Aber ihr habt doch auch ständig das Handy in der Hand!”. Man merkte den Eltern eine gewisse Hilflosigkeit in dieser Diskussion an, warum sonst war das Thema bei einem Theaterbesuch so plötzlich aus ihnen heraus gebrochen, dass alle drumherum zuhören mussten. Zuhause auf dem Sofa wäre vielleicht ein besserer Ort dafür gewesen. Aber jede Familie macht ihre eigenen Regeln.

♥-liche Grüße, Frau Krauss

Text & Fotos: Ann-Cathrin Krauß


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