Loslassen & Vertrauen schenken // Kindheit

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Die Umstellung von Montessori-Pädagogik auf Regelschule, mehr Freiheiten und Selbständigkeit, Kindern größere Flügel schenken. Unser Fazit nach den ersten Wochen im neuen Schuljahr.

 

 

Während ich diesen Blog-Post schreibe sitzt mein kleines Fräulein Krauss gerade in seiner neuen Klasse 3 a und schreibt zum ersten Mal ein Diktat. Es ist ihre erste Klassenarbeit. Sie hat viel geübt und ist gut vorbereitet. Ich wünsche mir für sie, dass sie ihre Aufgeregtheit schnell überwindet, sich konzentrieren kann und für sich selber ein Erfolgserlebnis hat. Uns Eltern ist die Note egal, hauptsache das Kind ist glücklich. Aber für sie selber wäre es toll um mit ihren Gefühlen endlich so richtig in der neuen Schule anzukommen. Das große Mysterium „Klassenarbeit und Schulnoten“ kannte sie bisher nur aus den Erzählungen ihrer Freundinnen außerhalb der Montessori Schule.

 

Um ehrlich zu sein, war die Umstellung des Schulsystems für mich der größte Schritt in die neue Heimat, die größte Veränderung im Alltag, die größte Hürde im Kopf bei unserem Projekt „Umzug“. Haben die Kinder ausreichend Wissen, kommen sie im Unterricht mit, wie packen sie eine Klassenarbeit in einem vorgegebenen Zeitfenster an.schulranzen-scout-schulkind-kindheit-das-lebenAls unser großes Fräulein Krauß einen Platz im Montessori-Kindergarten bekommen hat, haben wir uns riesig gefreut. Uns haben das Konzept und die pädagogischen Ansätze von Maria Montessori sehr gut gefallen. „Hilf mir es selbst zu tun“ ist einer der Leitsätze in der Montessori-Erziehung. Übungen des täglichen Lebens, vorbereitete Umgebung, Wasser-Dienst und Hafermühlen-Arbeit waren nur einige der Begriffe, die das Kindergartenleben unserer Töchter geprägt haben, eingebettet in jede Menge Rituale. Es war eine tolle Erfahrung und eine noch schönere Kindergartenzeit, von der wir uns wehmütig verabschiedet haben. Mitgenommen haben unsere Kinder tatsächlich sehr viel Selbständigkeit, Selbstvertrauen und jede Menge Kenntnisse und Fähigkeiten für das tägliche Leben.

 

Da wir in Bayern in unserer näheren Umgebung ein größeres Angebot an Montessori Grundschulen hatten, fiel unsere Entscheidung recht schnell auf dieses Schulsystem. Wir wollten mit unserem großen Fräulein Krauss ein „Kann-Kind“ einschulen, von deren Schulreife und Wissensdurst wir überzeugt waren, und die sich in der Montessori-Pädagogik bisher sehr wohl gefühlt hatte. Die Alternativen waren eine überfüllte Sprengelschule mit sechs Klassen in diesem Jahrgang und eine von Eltern gehypte, staatlich anerkannte Privatschule, bei der man sich mit Familienfotos und einem mehrseitigen Fragenbogen zu Arbeitsplatz, Hobbies, etc. bewerben durfte. Wir haben es heimlich „das große Familien-Casting“ genannt. Hat uns alles nicht gefallen und so sind unsere beiden Töchter in eine Montessori Schule gegangen. Die Erziehung orientiert sich in erster Linie an den psychischen und intellektuellen Bedürfnissen, Neigungen und Begabungen des einzelnen Kindes und nicht an den von Erwachsenen erdachten Normen und Zielvorgaben. Die Kinder werden im Ganzen betrachtet, unabhängig von Alter, soziokultureller Zugehörigkeit und religiös-weltanschaulicher Verbundenheit.

 

Es war eine schöne Zeit, ich habe sie gerne als unser „Schulleben in der Seifenblase“ bezeichnet. Die Schule war klein, sehr hell und es herrschte eine entspannte, immer fröhliche Stimmung. Die Kinder haben viel gelernt, ausprobiert und erlebt, ohne den Druck von Klassenarbeiten, Benotung und Hausaufgaben. Für uns Eltern war es aber auch manchmal schwer auszuhalten, dass neuer Lernstoff nicht immer konsequent vertieft oder weiter behandelt wurde. Das Kind hatte sich eben lieber einem anderen Thema zugewendet. In diesen Momenten haben wir uns nach dem Regelschulsystem gesehnt, in dem die Kinder in kleinen Schritten, aber täglich auf dem Gelernten aufbauen und dadurch ihre Lernerfolge erzielen. Wenn sich die Kinder mit ihren Freundinnen außerhalb der Schule unterhalten haben, konnten die nie begreifen wie so ein Schulleben ohne Noten und Klassenarbeiten funktioniert. „Ist doch total langweilig“ kam oft als Kommentar. Dementsprechend gespannt waren die Fräuleins auf ihr neues Schulleben.

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Seit unserem Umzug Anfang September besucht das große Fräulein Krauss die 5. Klasse eines Gymnasiums in der Karlsruher Innenstadt und das kleine Fräulein Krauss ist in der 3. Klasse der Grundschule um die Ecke, meiner alten Grundschule. Ich habe mich als Kind dort immer wohl gefühlt und hoffte meiner Tochter würde es auch so gehen . Beide Kinder sind in ihren neuen Klassen sehr gut angekommen und haben schon Freundinnen gefunden. Den veränderten Schulalltag haben beide sofort angenommen und fühlen sich darin wohl. Sie finden es toll, dass sie viel mehr Fächer haben als in der Montessori Schule, wo ca. 75% des Stundenplans aus „Selbst organisiertem Lernen“ bestand. Innerhalb dieser „SOL“-Stunden konnten die Kinder zwischen den Themengebieten frei wählen, von Mathe, Deutsch bis Sachkunde, es erforderte aber auch mehr Anstrengung sich das Wissen selbst zu erarbeiten. „An der neuen Schule gefällt mir so gut, dass alle Kinder meiner Klasse das gleiche lernen“ sagte mein großes Fräulein Krauss nach den ersten Schultagen. In ihrer alten Montessori-Klasse hat fast immer jedes Kind für sich alleine ein Thema erarbeitet. Man hat zwar die Freiheit was und wie schnell man lernen möchte, aber auch eine gewisse Einsamkeit im Lernen. Beim großen Fräulein hat sich seit  Beginn des Schuljahres spürbar die „Handbremse“ gelöst, von der wir Eltern bisher garnicht wussten, dass sie noch “angezogen” war. Sie geht mir großer Begeisterung, Lernbereitschaft und Konzentration durch ihren neue Schulalltag. Das kleine Fräulein Krauss lernt mit viel Spaß ihre neue Fremdsprache Französisch und holt schnell die Wörter der letzten zwei Schuljahre auf. Sie ist begeistert, dass sie jede Woche Schwimmunterricht hat weil auf dem Schulgelände ein Schwimmbad ist. An manchen Tagen grummelt sie etwas über das große Pensum an Hausaufgaben, dafür lernt sie sehr schnell sehr viel.

 

Jedes Schulsystem hat seine Vor- und Nachteile haben wir festgestellt, es gibt für uns kein besseres und schlechteres.  Am Ende des Tages kommt es immer auf das Kind und den Lehrer/die Lehrerin an und welche Verbindung sie mit einander haben. Wenn unsere Kinder neben dem erlernten Wissen noch etwas wirklich Elementares aus ihrer Montessori-Schulzeit mitgenommen haben, dann ist es die Selbständigkeit und der Mut neues auszuprobieren. Gleich vom ersten Schultag der 5. Klasse an hat sich das große Fräulein Krauss alleine auf den neuen Schulweg gemacht. Der ist ca. 8 km lang, sie muss laufen und Straßenbahn fahren. Wir wollten sie die ersten Tage noch begleiten und durften gar  nicht erst mit. „Ich schaffe das alleine!“ Und weg war sie. Sie genießt ihre neue Freiheit alleine oder zusammen mit Freundinnen in die Stadt zu fahren. Und auf das eigenverantwortliche Nutzen diese Freiheit hat die Montessori-Pädagogik sie sehr gut vorbereitet.

 

Die Flügel unserer Kinder sind größer geworden. Wir mussten lernen wieder ein Stück mehr loszulassen und noch mehr Vertrauen in die Selbständigkeit und Eigenverantwortung unserer Kinder zu legen. Ihren „Weg“ durch die Schulzeit müssen sie alleine gehen, wir können sie nur stärken und unterstützen. Und am wichtigsten ist doch, dass sie auf ihrem Weg glücklich sind!

 

♥-liche Grüße, Frau Krauss


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