Ommm // Hallo von der Baustelle

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Wir würden es wieder tun. Freunde von uns auf keinen Fall. Wir würden es beim nächsten Mal nur ganz anders machen. Von was ich spreche? Vom Projekt “Hausbau”. Bei unseren Freunden ist es eine Kernsanierung mit Anbau, bei uns ein kompletter Neubau. Wir sind “Partner in crime”, tauschen regelmäßig Höhen, Tiefen, Kuriositäten und Absurditäten von unseren Baustellen aus. Wir scherzen immer, dass wir noch ein Buch über all unsere Erlebnisse schreiben werden. Tatsächlich haben wir vor ein paar Wochen auch schon angefangen stichpunktartig die skurrilsten Ereignisse festzuhalten. Man vergisst sie sonst weil es (leider) so viele sind. Ich bin mir ganz sicher, selbst kreative Drehbuchautoren könnten sich unsere Geschichten für eine neue TV-Serie nicht besser ausdenken. Aber Stoff für eine Serie hätten wir, Andrea Sawatzki wäre für die Hauptrolle perfekt!

Im Oktober feiern wir unser 3jähriges Jubiläum. Wir, das sind mein Mann, unser Projekt “Hausbau” und ich. Im Oktober 2016 haben wir unser Grundstück bekommen, Ende November 2016 saßen wir mit einem Architekten über den ersten Entwürfen für das Haus. Ende September 2019 wohnen wir in einem unverputzten Haus, wissen nicht wann es weiter geht und haben eine unbearbeitete Mängelliste, die nicht zu knapp ist. In unserem vorherigen Wohnort in Bayern gab es ein Neubaugebiet. Unter den ca. 100 neuen Reihen-, Doppel- und Einzelhäusern gab es genau ein einziges Haus, das von außen optisch noch ein Rohbau mit Fenstern war, die Familie aber schon darin gewohnt hat. Es war ein tolles Haus mit ein Flachdach im Bauhausstil, eigentlich genau unser Traumhaus. Ich bin regelmäßig daran vorbei gejoggt und habe mich gewundert, was da wohl los sein mag. Wie ist das Leben in so einem unverputzten, nicht gestrichenen Haus, warum wohnt die Familien in so einem Stadium schon in dem Haus? Inzwischen kann ich mir all die Fragen selber beantworten. Und die mitleidigen Blicke der Nachbarschaft kenne ich auch sehr gut.

Wir schwanken regelmäßig zwischen Verzweiflung, Lachen, Kopfschütteln, gegenseitiger Motivation, Wahnsinn, Hilflosigkeit und Traurigkeit. Seit Monaten stecken wir so viel Kraft und Zeit in das Projekt “Haus” ohne selber körperlich anzupacken. Unser Bauvertrag lautet “Schlüsselfertig”. “Da schießen Sie sich ins eigene Bein wenn sie selber etwas machen und bekommen Probleme mit der Gewährleistung” wurde uns gesagt. Und so sitzen wir da und dürfen nur Beobachter sein. Meine Kraft bräuchte ich so viel dringender in meinem Job: für meinen Onlineshop und Blog. Instagram, für mich als Selbständige ein sehr wichtiges soziales Medium, benutze ich seit Monaten nur noch ganz selten, bestimmt ist euch das schon aufgefallen. Die Zahl der Follower nimmt darum stetig ab. Ich komme einfach nicht in die richtige Stimmung dafür, vor allem nicht um gut gelaunt in den Insta-Stories fröhlich zu erzählen und schöne Dinge zu zeigen. Und eine genervte, mitunter verzweifelte Bauherrin wollte ich in den Stories auch nicht sehen wollen. Ich sage mir immer: “Wenn das Projekt “Hausbau” fertig ist, dann starte ich wieder richtig durch!”, nur ist das Ende des Projekts leider immer noch nicht in Sicht. Und so sitze ich auch heute wieder im Haus, hinter mit Folie abgeklebten Scheiben und herunter gelassenen Jalousien (Tag 6 hinter Folie im dunklen Haus, ohne dass draußen am Haus etwas passiert, ist kein Spaß, das kann ich euch sagen!) und habe Handwerker um mich herum anstatt in meinem Büro zu arbeiten. 

Wenn wir alleine in unserem Haus sind, dann spüren wir seine tolle Energie und sind sehr glücklich. Wir haben alle Räume für uns perfekt geplant und lieben die Materialien. Ich freue mich wie ein kleines Kind auf den Tag, an dem wir niemanden mehr in unser Haus und auf unser Grundstück lassen müssen, den wir nicht von Herzen hierher einladen möchten. Ich hatte mir in meinen Träumen immer vorgestellt, dieser Tag wird auch der Tag sein, an dem wir mit unseren Möbeln in das fix und fertige Haus einziehen. Hinter den Möbelpackern würden wir die Tür schließen und hätten es geschafft. “Und dann muss ich vor Erleichterung weinen”, habe ich meinem Mann prophezeit. Unsere Möbel kamen Ende Juni, ich stand heulend wie ein Schlosshund vor dem Umzugswagen. Aber leider nicht aus Erleichterung, sondern aus Verzweiflung. Und während ich diese Sätze schreibe röhrt ein Stockwerk tiefer der Bohrhammer in der Wand und legt eine feine Staubschicht über unsere Möbel.

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Für uns heißt es weiterhin tief durchatmen und innerlich jede Menge “Ommmms” chanten. Am 4. Oktober wollen wir einen Kindergeburtstag für das große Fräulein Krauss in unserem Haus feiern. Dafür habe ich heute schon mal das Entfernen der Fensterfolien angefragt und um einen Tag ohne Handwerker gebeten. Natürlich wäre auch schon in den Tagen davor etwas Frischluftzufuhr durch ein geöffnetes Fenster eine feine Sache, aber mit zwei Dachfenstern zum Kippen und einer geöffneten Haustür kommt man auch klar. Wer braucht schon Tageslicht am Tag, Kerzenlicht ist doch auch schön . Ommm!

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Ich möchte gerne noch ein Buch empfehlen, das ich schon einmal hier auf dem Blog vorgestellt habe und das mir immer wieder in die Hände fällt: “Über den Anstand in schwierigen Zeiten und die Frage, wie wir miteinander umgehen” von Axel Hacke. Es ist klein, kompakt, kurzweilig und gut geschrieben. Ich kann das Buch jedem nur ans Herz legen, damit es uns allen im menschlichen Miteinander besser geht: In der Familie, im Job oder eben auf der Baustelle. Jetzt gehe ich mal raus an die frische Luft und schaue in den Himmel. Und dann schreibe ich vielleicht den ersten Satz für mein eigenes Buch. Oder gleich das Drehbuch. Ein Film zum Lachen wäre mal wieder toll. Hat jemand von euch die Telefonnummer von Andrea Sawatzki für mich?

♥-liche Grüße, Frau Krauss 

Text & Fotos: Ann-Cathrin Krauß

 

*(Der Link zu dem Buch ist ein Afiliate-Link. Er kostet dich nichts, du bekommt nur die persönliche Erfahrung & Empfehlung von mir. Aber ich verdiene ein paar Cent, solltest du das Produkt auf der Partnerseite kaufen. Natürlich freut sich auch dein Buchhändler vor Ort über deinen Einkauf.)


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